Lebensmittel aus Dritt-Welt-Ländern zu Schleuderpreisen im Handel

Wir alle machen es uns zu einfach, wenn wir in den Supermarkt gehen und Lebensmittel wie Bananen, Kaffee oder Schokolade, die aus Dritt-Welt-Ländern kaufen und dabei gern Super-Sonderpreise nutzen. Dass ein Kilo Bananen für 88 Cent oder ein Pfund Kaffee für 2,88 € angeboten werden, schont zwar das Portemonaie, jedoch dürfte jedem klar sein, dass das weder sozial noch ökologisch nachhaltig sein kann. Schauen wir uns das einmal bei dem Beispiel Kaffee an:

Kann dieser Kaffee fair sein? Ein paar Zahlen.

In einem Angebot der vergangenen Woche verkaufte Edeka ein Pfund Kaffee für 2,88 €. Kaffee ist mit 7 % Mehrwertsteuer belegt, was also einen Nettoerlös von 2,69 € für Edeka ergibt. Allerdings gibt es in Deutschland auch noch eine Kaffeesteuer, die zu entrichten ist und die beträgt 2,19 € je kg Kaffee. Bei unserem Pfund wären das also 1,09 €. Ziehen wir diese Steuer auch noch vom Verkaufserlös ab, haben wir einen Nettopreis von 1,60 € für dieses Pfund Kaffee, den Edeka damit erlösen kann.

Der Preis für Rohkaffee auf dem Weltmarkt liegt bei 1,00 € je Kilo (Stand: 21.02.20). Im Artikel der NOZ ist sogar von nur 50 Cent je Kilo Rohkaffee die Rede.

Diese Preise bilden die Basis dafür, dass quasi nur “Sklavenlöhne” bezahlt werden, so dass Kinder mitarbeiten müssen, damit die Familien der Pflücker überleben können. Für Bananen und Schokolade sieht es nicht anders aus.

Und jetzt? Wir alle sollten in Zukunft nicht mehr einfach die Mit-Verantwortung für niedrige Preise von Lebensmitteln aus Dritt-Welt-Ländern an der Kasse zurücklassen und damit andere den Preis zahlen lassen, indem wir Ausbeutung und Kinderarbeit unterstützen. Deshalb gilt für nachhaltiges soziales Handeln, dass wir als Verbraucher gerade diese offensichtlichen Schleuderangebote nicht mehr wahrnehmen, sondern den Lebensmitteleinzelhandel durch Konsum- bzw. Kaufverweigerung zum Umdenken “bewegen” bzw. gern auch “zwingen”.

Trotz Erkenntnis bleibt ein Problem: was ist eigentlich nachhaltig oder fair?

Natürlich ist das auch manchmal leichter gesagt als getan. Mal abgesehen von Menschen, die vielleicht auf diese Angebot angwiesen sind, bleibt natürlich auch die Frage, welcher Preis für z. B. Kaffee ist wirklich sozial nachhaltig? Wir können nämlich kaum als Konsumenten auf die Kaffeeplantagen fahren, um dort in Erfahrung zu bringen, was jeder Einzelne verdient. Und die Bekleidungsindustrie hat uns ja schon längst gezeigt, dass hohe Preise für Hosen oder T-Shirts noch lange kein Indiz sind, dass davon auch die Menschen an der Nähmaschine fair bezahlt werden. Ja, am Ende kommen wir nicht so einfach weiter. Es bedarf der Zusammenarbeit aller: der Konsumenten, der Händler und der Hersteller vor Ort.  Und irgendjemand muss den Anfang machen. Diese Anfänge gibt es. So zum Beispiel die Selbstverpflichtung von mehreren großen Lebenmittelketten, die zukünftig die fair Bezahlung von Dritt-Welt-Lebensmitteln garantieren wollen. Diese Selbstverpflichtung sollte in der vergangenen Woche unterschrieben werden. Das hielt aber Edeka zum Beispiel nicht davon ab, kurz vorher noch einmal “supergeile” Angebote zu machen und u. a. diesen Kaffee anzubieten. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte, die Sie direkt im Anschluss an diesen Artikel lesen können.

Was unternehmen Politik und Handel?

“Supergeil ist dann nur noch superdreist und superunmoralisch”, so wird Entwicklungsminister Müller von der Neuen Osnabrücker Zeitung zitiert. Hintergrund ist, dass führende Lebensmittelketten sich  in dieser Woche eine Selbstverpflichtung im Beisein von Müller auferlegen wollten. Diese sollte beinhalten, dass sie Erzeugern aus “Dritt-Welt-Ländern” existenzsichernde Preise für ihren Kaffee, Bananen oder Mangos garantieren. Ein wichtiger Schritt für nachhaltiges Handeln, um Ausbeutung zu verhindern.  Weniger erfreut war er, als er erfuhr, dass gerade in der Woche der Unterzeichnung, Edeka ein Pfund Kaffee für 2,88 € mit den Worten “supergeil” bewirbt. Edeka ist eines der Unternehmen, die zu den Unterzeichnern gehören. Zu recht lässt das Minister Müller aufhorchen, wie es denn um die Ernsthaftigkeit dieser Selbstverpflichtung bestellt ist.

Hier der Artikel der NOZ.

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